Zentner: „Solide, nichts Überragendes“

Jörg Schneider. Mainz.
Daniel Brosinski nahm den Lapsus, der zum Rückstand im Derby gegen Eintracht Frankfurt geführt hat, unumwunden auf seine Kappe. „Das darf mir einfach nicht passieren“, sagte der Linksverteidiger im Anschluss an das 1:1 in der Opel Arena. Unterdessen steht fest, dass Robin Zentner auch in den kommenden Wochen als Ersatzmann für den inzwischen operierten René Adler die Nummer eins beim Bundesligisten bleibt. „Er hat sehr viel Ruhe ausgestrahlt, viel Sicherheit und hat einfach das bestätigt, was er im Training und im Pokal gezeigt hat. Robin bleibt auch weiterhin im Tor“, bestätigte Sandro Schwarz.

Ein einfacher Schuss ins Seitenaus hätte genügt, und auch der nach dem fälligen Einwurf folgende Angriff der Frankfurter Eintracht hätte wahrscheinlich so geendet, wie die meisten der Offensivzüge der Hessen in diesem Derby in der Opel Arena: als Beute der Abwehr des FSV Mainz 05, dessen Torhüters oder als Schuss neben oder übers Tor. Doch Daniel Brosinski entschied sich in dieser 37. Minute, noch ein gutes Stück entfernt von der Grundlinie, den Ball gegen Marius Wolf abzuschirmen und über die Linie trudeln zu lassen. Das ging bekanntlich komplett schief. Der Eintracht-Verteidiger stibitzte die Kugel, marschierte die Linie entlang, passte zentral vors Tor, 05-Keeper Robin Zentner fälschte den Ball ab, Stefan Bell versenkte ihn beim Klärungsversuch ins eigene Netz. Wäre der Mainzer Kapitän weggeblieben, hätte Ante Rebic bereit gestanden und die 05er hätten auch mit 0:1 zurückgelegen.

Sandro Schwarz bezeichnete die Aktion später als „Fehlerkette“. Seinem Tonfall war zu entnehmen, was der Trainer davon hielt. „Ich wollte eigentlich von Anfang an den Ball wegspielen, habe mich dann aber anders entschieden, weil Danny Latza immer geschrien hat: Körper, Körper, Körper“, berichtete Unglücksrabe Brosinski nachher. „Das hat mich dann durcheinander gebracht. Ich muss den Ball klären, das darf mir einfach nicht passieren.“ Auch ansonsten ist dem Linksverteidiger in dieser Partie im Offensivbereich nicht allzu viel geglückt. So, wie den meisten seiner Kollegen ebenfalls. Der Schwerpunkt aller Bemühungen lag auf Verteidigung. Beide Mannschaften scheuten dabei das Risiko, dem Gegner den Raum für schnelle Konter anzubieten. Was beide Teams durchaus nutzen können. Die Folge war, dass die Partie permanent geprägt war von Zweikämpfen, Balleroberungen, Ballverlusten auf beiden Seiten. Insgesamt neutralisierten sich die Derby-Gegner weitgehend. „Das war heute für die Zuschauer kein schönes Spiel, ein Kampfspiel“, sagte Brosinski. „Durch meinen Fehler sind wir in Rückstand geraten, am Ende aber noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen. Danke an Suat, dass er den Ball so getroffen hat.“ Suat Serdar hämmerte den Heber von Yoshinori Muto ins Zentrum volley rechts oben ins Netz zum 1:1-Endstand.

Zwar war Robin Zentner im weiteren Sinne unschuldig mitschuldig am Gegentor; in den übrigen 94 Spielminuten aber zeigte der Vertreter von René Adler, dass er in der Bundesliga gut zurechtkommt. Foto: VeyhelmannEin weiteres Eigengewächs der 05er hat nun den ersten Schritt in der Bundesliga gemacht. Robin Zentner feierte gegen die Eintracht sein Liga-Debüt im 05-Tor, nachdem der Keeper, der am Samstag 23 Jahre alt geworden ist, bereits im Pokalspiel eine starke Leistung abgeliefert und sich damit für diese Partie qualifiziert hatte. „Es war eine schöne Atmosphäre und hat Spaß gemacht. Wir hätten uns den Sieg gewünscht, aber ein Punkt, wenn man 0:1 zurückliegt, ist dann doch okay“, sagte der gebürtige Rüdesheimer nachher. Am Dienstagabend im Pokalspiel gegen Holstein Kiel ins kalte Wasser geworfen, hatte der 194 Zentimeter lange Hüne diesmal genügend Zeit, sich mit der Situation zu befassen. Denn seit Donnerstag war klar, dass Zentner die Nummer eins ist und auch in den nächsten Wochen bleibt. Der Trainer gab Zentner den Vorzug vor dem jungen Florian Müller, der nach Verletzungen noch nicht ganz so weit ist und Jannik Huth, der ebenfalls länger verletzt war und gegen die Frankfurter auf der Ersatzbank Platz nahm. „Jannik Huth hat aufsteigende Form im Training. Es ist aber doch klar, dass es für Jannik nicht die allergrößte Überraschung war, dass Robin nach dem Pokalspiel erneut im Tor stehen würde“, sagte Sandro Schwarz, der dem Adler-Ersatzmann erneut ein sehr gutes Zeugnis ausstellte. „Der Ausfall von René ist schmerzhaft auf der einen Seite, auf der anderen Seite muss man sagen, was Robin geleistet hat, macht’s etwas leichter“, so der Trainer. „Er hat sehr viel Ruhe ausgestrahlt, viel Sicherheit und hat einfach das bestätigt, was er im Training und im Pokal gezeigt hat. Und Robin bleibt auch weiterhin im Tor“, bestätigte der 39-Jährige.

Kein TV-Bild für René Adler

René Adlers Sehnenverletzung am Oberschenkel ist bekanntlich inzwischen in München erfolgreich operiert worden. Der ehemalige National-Torhüter soll rund drei Monate lang ausfallen. „Wir wissen doch alle, dass er ein extrem wichtiger Spieler ist für uns. Auf dem Platz und auch in der Gruppe als Führungspersönlichkeit. Es ist schmerzhaft für uns, wenn ein solch wichtiger Spieler langfristig ausfällt“, erklärte Schwarz. „Ich habe kurz vor dem Spiel noch mal mit ihm telefoniert. Ihm geht’s soweit gut. Nur, dass René das Spiel auf sky gucken wollte und ich ihm gesagt habe, da kannst du lange gucken, es läuft auf Eurosport, hat ihm nicht gefallen. Er wird bald wieder vor Ort sein und hier das Reha-Programm absolvieren.“

Bis Adler wieder fit ist, wird also Zentner nun das Mainzer Tor hüten. In den beiden bisherigen Auftritten widerlegte der Keeper alle Zweifel, dass er dieser Aufgabe nicht gewachsen sein könnte. „Natürlich war es schon was Besonderes. Ein Derby, erstes Bundesligaspiel, da kommen schon viele Sachen zusammen, die das Ganze zu einem besonderen Abend für mich machen. Eine gesunde Nervosität war da, aber je näher das Spiel kam, desto mehr habe ich mich drauf gefreut, desto fokussierter wird man und hat keine Zeit nervös zu sein“, sagte Zentner nach der Partie. Auch das 0:1, an dem der Keeper unfreiwillig beteiligt war, hat ihn nicht aus der Ruhe gebracht. „Wir verlieren den Ball kurz vor der Grundlinie, der Spieler kommt im Sechzehner auf mich zu, dann mache ich halt die kurze Ecke zu und versuche, als er ihn quer legt, noch irgendwie entscheidend abzufälschen. Das hat dann leider nicht geklappt. Bello versucht, alles reinzuwerfen und macht ihn selbst rein, sonst hätte ihn der Frankfurter hinten dran rein gemacht“, beschrieb Zentner die fragliche Szene.

Die vielen langen Schläge von hinten heraus seien im Übrigen  der Situation geschuldet gewesen. „Eigentlich wollten wir schon anders spielen, aber sobald ich den ersten Ball nach außen gespielt habe, sind die Frankfurter aggressiv angelaufen, da hat’s oft nicht viel Sinn gemacht. Und da habe ich ihn dann direkt lang geschlagen, ohne jemand anderen in Bedrängnis zu bringen.“ Wie es weiter geht, darüber will sich der 05-Torhüter keine großen Gedanken machen. „Ich wusste, dass ich spiele in diesem Derby. Alles andere werden wir in den nächsten Wochen sehen. Ich denke, ich hatte nicht groß die Möglichkeit in dieser Partie Riesenfehler zu machen. Ich denke, es war in Ordnung. Ein solides Spiel, nichts Überragendes. Ich mache jetzt keine Luftsprünge, bin aber auch nicht todtraurig.“

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