Unbekümmert, aufmüpfig und gierig?

Jörg Schneider. Mainz.
Finale in der Fußball-Bundesliga. Der FSV Mainz 05 steht am Samstag (15.30 Uhr) beim 1. FC Köln auf der Matte, der wie die 05er vor einem Jahr mit einem Heimsieg im letzten Heimspiel die Europaliga klarmachen kann. Das Team von Martin Schmidt darf sich kein Tordebakel leisten und will sich und seinen zahlreichen Anhängern in Müngersdorf einen möglichst erfolgreichen Abschied aus dieser Saison bieten. „Wir können. Wir dürfen. Wir sind gierig. Köln muss. Das gibt diesem Spiel, eine spezielle Brisanz“, sagt der Schweizer, den die neu belebte Trainerdiskussion im Vorfeld derzeit nicht tangiert, wie er sagt. „Das ist für mich jetzt kein Thema. Das hat alles keine Relevanz.“

Unmittelbar nach dem 16. Bundesliga-Spieltag kurz vor Weihnachten stellte der 1. FC Köln ein höchst amüsantes Video ins Netz zur Einstimmung auf die Feiertage. Peter Stöger hielt eine Ansprache im Kreise seiner Mannschaft, attestierte ihr eine tolle Vorrunde und erklärte, man gehe nun in die Pause und werde im neuen Jahr die Europaligaplätze attackieren. Danach gab’s bewegende Umarmungen und anschließend fragte einer aus seinem Stab fragte den FC-Trainer, „meinst du wirklich, die glauben das mit Europa?“ Der Österreicher schüttelte sich vor Lachen und sagte: „Europa? Mit der Karnevalstruppen?“ Stöger und dessen Co-Trainer wollten sich gar nicht mehr einkriegen vor Gelächter. Großes Kino. Fünf Monate später lacht beim rheinischen Traditionsklub keiner mehr. In Köln herrscht vor dem Finale am Samstag im Müngersdorfer Stadion gegen den FSV Mainz 05 bange Nervosität. Die Kölner haben ähnlich wie die 05er vor einem Jahr die große Chance, sich vor eigenem Publikum mit einem Sieg über die 05er direkt fürs europäische Geschäft zu qualifizieren.

"Wir haben die Köpfe zusammen gesteckt und gesagt, jetzt haben wir so richtig Lust auf ein Abschlussspiel. Für uns selbst, aber natürlich auch für die Fans und den Verein. Wir wollen einen schönen Abschluss hinlegen einer sehr harten und komplizierten Saison“, sagt Martin Schmidt vor dem Spiel in Köln. Foto: Jörg SchneiderDie Mannschaft von Martin Schmidt hat ihr Minimalziel bereits erreicht mit dem 4:2 vergangene Woche gegen Eintracht Frankfurt. Die 05er sind nach menschlichem Ermessen gerettet und müssten in Köln schon ein Tordebakel erleben, um je nach Konstellation auf den anderen Plätzen doch noch in die Relegation zu müssen. Davon muss man nicht ausgehen. Und ein solches Szenario wird am Bruchweg auch nicht thematisiert. Die 05er fahren den Rhein hinauf, um sich und den sie begleitenden rund 4000 Anhängern einen vernünftigen und möglichst erfolgreichen Abschied aus dieser Saison zu bereiten. Das Team gehe mit einem leichteren Rucksack als zuletzt in diese finale Partie, erklärte der 05-Coach im Rahmen der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag. „Unbekümmert, mit Aufmüpfigkeit und Gierigkeit. Wir haben die Köpfe zusammen gesteckt und gesagt, jetzt haben wir so richtig Lust auf ein Abschlussspiel. Für uns selbst, aber natürlich auch für die Fans und den Verein. Wir wollen einen schönen Abschluss hinlegen einer sehr harten und komplizierten Saison“, betont der 50-Jährige.

Die Kölner, der SC Freiburg, Werder Bremen und die Gladbacher kämpfen an diesem 34. Spieltag um den Einzug in die Europaliga. „Für alle diese Klubs ist es ein wichtiges Spiel.  Deshalb nehmen wir es auch sehr ernst. Wir sind der Liga gegenüber dazu verpflichtet. Köln kann sich die Saison krönen. Wir können uns ein Jahr zurückerinnern, als wir in der Position waren, als es darum ging direkt in die Europaliga oder über Umwege vorzustoßen. Deswegen ist es für den Gegner ein spezielles Spiel. Das wird eine Riesenstimmung dort werden und ist für uns eine Riesen-Motivation, uns dagegen stemmen zu wollen. Da wird es richtig hochkochen. Wir können. Wir dürfen. Wir sind gierig. Köln muss. Das gibt diesem Spiel, eine spezielle Brisanz“, sagt Schmidt.

Nur zweimal mit mehr als einem Tor Unterschied verloren

Dass sein Team in der aufgeladenen, stimmungsvollen Kölner Arena eine echte Packung kassieren und wieder in Gefahr geraten könnte, das werde das 05-Team nicht zulassen. „Wir wissen, dass es rechnerisch möglich wäre durch eine sehr hohe Niederlage. Wir werden das aber so verteidigen wie in der Rückrunde, in der wir unsere Gegentorquote runtergeschraubt haben. Das ist unser Anspruch“, so der Schweizer. Nur beim 0:4 in Hoffenheim und beim 0:2 zu Hause gegen die Bremer verloren die 05er in dieser zweiten Saisonhälfte mit mehr als einem Tor Unterschied. „Wir werden uns wehren, dagegen stellen. Wir werden so verteidigen, wie in den letzten Wochen, dann bin ich überzeugt, dass wir das Spiel in Bahnen lenken können, wo auch durchaus Punkte drin liegen. Das ist unser Ziel.“ Trotzdem rechnen die Mainzer mit einem extrem angriffslustigen Gegner, der ähnlich auftreten dürfte wie kürzlich beim 4:3 zu Hause gegen Werder Bremen, „wo es von Anfang an geknallt hat“, wie Schmidt sagt. „Mich würde alles andere überraschen. Auf das stellen wir uns ein.“ Zumal eine solche offensive Herangehensweise des Gegners naturgemäß eigene Chancen im Umschaltspiel eröffnet.

[ads.2 limit:1]Martin Schmidt wirkt vor dieser Abschluss-Begegnung wesentlich entspannter und gelöster als zuletzt. Die Erleichterung nach dem mutmaßlichen Ligaverbleib ist dem 50-Jährigen deutlich anzumerken. Daran ändert auch nichts die in dieser Woche wieder neu belebte Debatte um seine Person. Die Diskussion, ob Schmidt über diese Saison hinaus 05-Trainer bleiben wird und auch das Gerücht, das der 05-Coach beim Mainzer Europaliga-Gegner AS Saint-Etienne im Gespräch sei, tangiert den Coach nicht. „Von so was weiß ich nichts. Fakt ist, wir schließen die Saison am Samstag ab, dass mein Vertrag bis 2018 läuft und dass wir uns nächste Woche wie angesagt zusammensetzen werden, um über die Zukunft zu diskutieren. Deshalb ist das für mich jetzt kein Thema. Das hat alles keine Relevanz.“

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