Spielstil macht Appetit auf die Liga

Jörg Schneider. Lüneburg.
Der Anfang ist gemacht: Der FSV Mainz 05 entledigte sich seiner Erstrunden-Aufgabe im DFB-Pokal problemlos mit einem souveränen und ungefährdeten 3:1-Erfolg beim Regionalligisten Lüneburger SK und scheint nach diesem Pflichtspiel-Auftakt bereit für den Ligastart. Der 05-Kader unterstrich den guten Eindruck aus der Vorbereitung. Der neue Spielstil der Mannschaft macht Appetit auf die Bundesliga. Und in einem insgesamt gut funktionierenden Team zeigten einige Akteure eine beachtliche Frühform.

Für den angeschlagenen Gerrit Holtmann sowie Levin Öztunali, der in der Woche wegen einer Magen-Darm-Erkrankung kaum trainierte, reichte es nicht für einen Kaderplatz beim 3:1-Sieg des FSV Mainz 05 im Erstrundenduell beim Regionalligisten Lüneburger SK. Emil Berggreen ist nach der langen Verletzungs-Auszeit noch kein ernsthafter Kader-Kandidat. Der Däne blieb ebenso zu Hause wie José Rodriguez, dessen 05-Zukunft weiter ungewiss ist. Sandro Schwarz ließ auch Jairo Samperio in Mainz. „Sportliche Gründe. So ist das halt“, erklärte der 05-Trainer knapp. Angesichts der schwachen Vorbereitung des Spaniers keine Entscheidung, die groß verwunderte. Auch der Kapitän machte die Reise in den Norden nicht mit. Für Niko Bungert, der einen Großteil der Vorbereitung nicht mitmachte wegen Verletzung, kam das Pokalspiel zu früh. „Ich habe das Niko ganz offen erklärt“, sagte Schwarz nachher. „Er hat nun zehn Tage extrem gut im Training gearbeitet, auch im Testspiel gegen Twente. Wir hatten aber sechs Wochen Vorbereitung, die ich für dieses erste Spiel hin bewerten muss, und nicht nur diese zehn Tage.“

Wenn überhaupt, dann war Yoshinori Muto bei seiner prächtigen Leistung in Lüneburg durch Fouls zu stoppen. Der Japaner schoss zwei Tore und bereitete das dritte formal vor. Foto: imagoSchwarz entschied sich für Neuzugang Abdou Diallo in der Innenverteidigung. „Das Argument für ihn war eindeutig, dass wir einen Linksfuß haben wollten, damit wir im Spielaufbau auf eine Dreierreihe umstellen können und dann auf der Seite noch einen Linksfuß für einen besseren Winkel haben. Er hat‘s gut gemacht“, so Schwarz. Die 05er begannen in Lüneburg im gewohnten 4-2-3-1. Doch diese Grundaufstellung hielt nicht lange. Bei einem Ballbesitz von 73 zu 27 Prozent verschob sich die Formation. Aus der Viererkette wurde dabei eine Dreierreihe mit Stefan Bell und Diallo sowie einem der Sechser, der von hinten aufbaute. Die beiden vorderen Mittelfeldspieler Viktor Fischer und Pablo de Blasis rückten meist ein in die Halbräume nach innen, überließen den Außenverteidigern Giulio Donati und Daniel Brosinski häufig die Außenbahn zum Hinterlaufen. Dreh- und Angelpunkt war dabei Alexandru Maxim, unterstützt von Danny Latza und auch immer wieder De Blasis, die das Kombinationsspiel prägten. „Wir wollten Alex und Pablo in den Halbräumen haben, dass die dort ankurbeln. Wenn du dort aufdrehen konntest und Tempo reingebracht hast, waren sofort die Vorteile da“, sagte Schwarz. Die 05er brachten damit eine gute Qualität in ihr schnelles Kombinationsspiel und kamen immer wieder mit Tempo durch das engmaschige, gut organisierte 4-4-2 des Gegners.

Vor allem auch, weil Yoshinori Muto vorne ein Riesenpensum leistete. Der Japaner beeindruckte im Anlauf- und Freilaufverhalten, war mit seiner flexiblen Positionierung kaum in den Griff zu kriegen. Muto war zudem der erste Mann im Gegenpressing, mit dem die Mainzer dem Regionalligisten kaum Aktionen nach vorne gestatteten. Wenn die 05er in der Offensive riskante Pässe spielten, die nicht ankamen oder verteidigt wurden, dauerte es in der Regel nur Sekunden, bis die Mainzer sich mit ihrem Positionsspiel die Kugel zurückholten. Die ganze Defensivorganisation des Bundesligisten war gut. Die Handlungsgeschwindigkeit der 05-Profis in den einzelnen Positionen, das allgemeine Tempo, das die Mannschaft anschlug sowie die fußballerische Qualität in vielen Aktionen waren oft zu hoch für den Regionalligisten. „Wir waren von Beginn an sehr aktiv, sofort drin im Spiel, hatten eine gute Kontrolle, ein sehr gutes Gegenpressing“, sagte Schwarz. „Wir sind auch mit dem überraschenden 1:1 mit dem ersten Torschuss des Gegners sehr gut umgegangen. Nicht hektisch geworden, ruhig geblieben, geduldig und selbst weitere Aktionen ins letzte Dritte gehabt. Wir wissen alle, wie es in so einem Pokalspiel werden kann, was nach einem solchen Ausgleich alles Verrücktes passieren kann. Das haben wir komplett im  Keim erstickt, auch die Konter erstickt. Das war sehr gut und wirkte sehr aktiv. Wir hatten dabei viele Torchancen, ohne dem Gegner Möglichkeiten zu geben“, erklärte der 05-Trainer. „Deswegen bin ich hochzufrieden mit dem Auftritt und dem Ergebnis.“

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