Nur ein weiterer Mainzer hat's geschafft

Christian Karn. Mainz.
Drei Profis des FSV Mainz 05 hätten an den jüngsten Länderspieltagen die WM-Qualifikation festzurren können. Geschafft hat's nur der, der es noch nicht hätte schaffen müssen: Leon Balogun reichte mit Nigeria ein 1:0 gegen Sambia, um schon vor dem letzten Spieltag alles klar zu machen. Fabian Frei und Viktor Fischer müssen dagegen im November mit der Schweiz und Dänemark in die Relegation, Jean-Philippe Gbamin muss mit der Elfenbeinküste ein Endspiel gewinnen. Kenan Kodro ist mit Bosnien und Herzegowina ausgeschieden. Unterdessen kann Yoshinori Muto über die japanischen Testspiele nicht so glücklich sein wie Abdou Diallo über die Qualifikationsspiele zur U21-EM.

Alle Spiele

Do., 5. Oktober
05 - SVS 2:1
U21 FRA - MNE 2:1
MNE - DEN 0:1

Fr., 6. Oktober
JPN - NZL 2:1
MLI - CIV 0:0

Sa., 7. Oktober
NGR - ZAM 1:0
BIH - BEL 3:4
SUI - HUN 5:2

So., 8. Oktober
DEN - ROM 1:1

Mo., 9. Oktober
U21 LUX - FRA 2:3

Di., 10. Oktober
JPN - HAI 3:3
EST - BIH 1:2
POR - SUI 2:0

Der Spielplan hat es so gewollt, dass die Gruppe B mit dem Spitzenspiel beginnt und mit dem Spitzenspiel endet. Die Schweiz hat beginnend mit dem 2:0 gegen Portugal am ersten von zehn Spieltagen die ersten neun Spiele gewonnen, zuletzt 5:2 gegen Ungarn mit einem Tor des Mainzer Mittelfeldspielers Fabian Frei, der ganz ungewohnt als offensiver Linksaußen, fast zweite Spitze dabei war.

"Ich glaube, Fabian Frei hat hier schon mal im 4-2-3-1 auf der Zehn gespielt", sagte Sandro Schwarz, "in jedem Fall in Testspielen. Im Pflichtspiel weiß ich es nicht." In der Tat setzte Schwarz' Vorgänger Martin Schmidt den Schweizer in der vergangenen Saison dreimal als Zehner ein, im Europa-League-Heimspiel gegen den Qäbälä FK und in beiden Partien gegen Borussia Dortmund. Dreimal überzeugte Frei: "Die etwas vorgezogene, offensivere Position liegt dem Schweizer besser als die reine Sechserrolle. Hatte trotzdem eine gute Präsenz, Balleroberungen, etliche gute Szenen im Spiel nach vorne, Konter-Einleitungen mit Pässen, die zu Chancen führten und zwei veritablen eigenen Chancen. Eines von Freis besten Spielen bisher", urteilte die 05MixedZone nach einem der beiden BVB-Spiele, auch nach den anderen beiden Partien gab es gute Kritiken. "Jetzt hat er ein Tor gemacht", sagte Schwarz. "Von daher war's gut."

Jedoch nicht gut genug für die WM-Qualifikation. Denn Portugal gewann nach dem 0:2 in der Schweiz die letzten neun Spiele und zog mit dem 2:0-Heimsieg gegen die Schweizer am Dienstag an jenen vorbei an die Tabellenspitze. Jene müssen mit 27 Punkten aus zehn Spielen in die Relegation. Frei war nicht dabei im wichtigsten Spiel des Jahres für beide Teams, in dem der Europameister von Anfang an mit großer Souveränität, großer Ruhe, großem Vertrauen in die eigene Stärke und die eigene Serie zeigte, dass er mit dem Druck umzugehen wusste. Die Portugiesen mussten gewinnen, um die K.o.-Runde zu vermeiden, kontrollierten die Partie mit der notwendigen Geduld, suchten immer wieder den Weg an den Strafraum. Sie hatten nicht viele Chancen, aber immer mal wieder die Möglichkeit, das Führungstor zu schießen - ein Zwischenziel, dass die Schweizer schließlich ein paar Minuten vor der Halbzeit für sie übernahmen: Nach einer Flanke von der linken Angriffsseite warfen sich drei Mann in den flachen Ball, der von Torwart Yann Sommer an Johan Djourous Bein und von diesem ins Tor prallte. Der junge Torjäger André Silva (AC Milan) erhöhte in der zweiten Hälfte rasch auf 2:0. Was von der Schweiz kam, verteidigten die Portugiesen routiniert und ruhig weg, während Cristiano Ronaldo vorne auch die schönsten Konterchancen verzappelte. Wenn auch die Schweizer nie so ganz resignierten, war der Gegner einfach zu stark.

Ebenfalls in den Playoffs spielt Dänemark. Da Polen als Tabellenführer der Gruppe E den Dritten Montenegro schlug, war das Abschlussspiel der Dänen egal; auch mit jedem anderen Ergebnis als dem tatsächlichen 1:1 gegen Rumänien wären die Nordeuropäer Zweiter geblieben. Wie schon beim vorherigen 1:0 gegen Montenegro wechselte Åge Hareide, der norwegische Trainer der dänischen Nationalmannschaft, nur zweimal aus, erneut blieb der 05er Viktor Fischer komplett draußen.

Die bosnische Nationalmannschaft wird bei der Weltmeisterschaft fehlen. Das 2:1 in Estland, bei dem der 05er Kenan Kodro bis zur 70. Minute als zweite Spitze neben dem Berliner Torjäger Vedad Ibisevic spielte, festigte lediglich den dritten Platz. Griechenland war zwar noch in Reichweite, schlug aber Gibraltar wie erwartet und verteidigte damit die Position in den Playoffs. Diese werden am kommenden Dienstag ausgelost.

Zwei Mainzer sind qualifiziert

Somit hat bisher nach Yoshinori Muto, dessen japanische Kollegen bereits vor einem Monat die Qualifikation gemeistert haben, lediglich ein weiterer 05er die WM-Qualifikation geschafft: Die nigerianische Auswahl steht mit dem Abwehrchef Leon Balogun bereits vor dem letzten Spieltag als Sieger ihrer Gruppe fest. "Wir freuen uns echt, dass er es geschafft hat", sagt Baloguns Vereinstrainer Sandro Schwarz. "Er ist immer ein positiver Mensch, der sich in jedem Training voll reinhaut, Unabhängig, ob er in der Startformation ist oder nicht. Er lacht immer, von daher war es jetzt bei seiner Rückkehr kein großer Unterschied, nur dass ihm jetzt alle gratuliert haben. Wir freuen uns auch über das überzeugende Feedback, das wir vom Nationaltrainer bekommen haben. Er bringt dort seine Leistung als Stammspieler."

Jean-Philippe Gbamin musste gegen Mali als Achter spielen, wirkte eher wie ein Zehner, kam damit nicht zurecht. Foto: imagoJean-Philippe Gbamin dagegen muss um die Qualifikation bangen. Mit dem 0:0 gegen Mali, bei dem der Mainzer in eine Offensivrolle gedrängt wurde, mit der er nicht klar kam, verlor die Elfenbeinküste die Tabellenführung ihrer Gruppe. "Ich habe ihn nach seiner Position gefragt", verriet Schwarz. "Jean sagt, es war die Acht, so wie er es mir erzählt hat, muss es wohl eine Art 4-3-3 gewesen sein. Für mich sah es auch nach Zehn aus, es war aber wohl ein bisschen verschwommen."

Überbewerten möchte der 05-Trainer die merkwürdigen Aufgaben seiner Spieler nicht: "Das muss der jeweilige Nationaltrainer entscheiden, was das beste ist und was er spielen will; ob es für uns eine Aussagekraft hat, sei mal dahin gestellt. Wenn der Trainer sagt, sie müssen auf der Acht spielen, dann spielen sie da. Wenn der Trainer sagt, Muto ist linker Außenbahnspieler, dann macht er das. Das wird schon seine Berechtigung haben, wenn der jeweilige Trainer diese Gedankengänge hat. Dann sollen die Jungs das Bestmögliche aus sich herausholen. Das ist ihre Aufgabe. Für uns ist es zweitrangig. Für uns ist wichtig, dass sie gesund zurückkommen und am besten eine gute Leistung gebracht haben auf den Positionen, auf die sie gestellt wurden. Und dieses Gefühl mitnehmen."

Letzteres zumindest ist misslungen. Das 4-3-3 der Ivorer, ein vordergründig offensives System, ging nicht auf, weil die seitlichen Mittelfeldspieler hinter Gbamin blieben und die Außenstürmer auch nicht so recht nach vorne kamen. Um sich im November mit einem Heimsieg gegen Marokko den einzigen Qualifikationsplatz ihrer Gruppe doch noch zu holen, werden die Ivorer mehr Mut brauchen. Den benötigen auch die Japaner, damit sie bei der Weltmeisterschaft besser abschneiden als vor gut drei Jahren in Brasilien. Dort wurden die Asiaten Viertletzter des Turniers mit nur einem Punkt aus den Spielen gegen Kolumbien, die Elfenbeinküste und Griechenland. Mit den Resultaten und Erkenntnissen aus den jüngsten Testspielen können sie nicht zufrieden sein. Mit dem wirkungslosen Muto im linken Mittelfeld hatte Japan eingangs der Länderspielwoche noch in der 87. Minute das 2:1-Siegtor gegen Neuseeland geschossen. Im zweiten Spiel führten sie nach 17 Minuten 2:0 gegen Haiti, gaben die Führung komplett ab und retteten durch ein Tor von Shinji Kagawa in der 92. Minute wenigstens ein 3:3. Also Muto in der 80. Minute eingewechselt wurde, war gerade das Führungstor der Gäste gefallen, die in der vorletzten Phase ihrer Qualifikation an Costa Rica und Panamá gescheitert waren.

Anstelle des Gefühls, gute Leistung gebracht zu haben, wird zumindest Muto, der sich vor den Spielen bereits unzufrieden geäußert hat, mit schlechter Laune zurückkommen. Diese bis zum Spiel gegen den HSV in eine "Ich zeig's Euch allen"-Mentalität zu kanalisieren, wäre nun eine Aufgabe für Schwarz.

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