Miroslav Karhan hospitiert am Bruchweg

Jörg Schneider. Mainz.
Ein alter Bekannter ist derzeit zu Gast bei seinem Ex-Verein: Miroslav Karhan, der zwischen 2007 und 2011 43 Mal für die 05er in der Bundesliga gespielt und 66 Zweitligaspiele absolviert hat, hospitiert diese Woche an seiner alten Wirkungsstätte. Der einstige Mittelfeldspieler ist derzeit Cheftrainer bei seinem slowakischen Heimatverein FC Spartak Trnava und absolviert den Lehrgang zur Uefa-Pro-Lizenz. Am Bruchweg schaut Karhan den 05-Trainern Martin Schmidt und Sandro Schwarz über die Schultern.

Das Gesicht des Mannes, der sich da am Donnerstag in der Pressekonferenz des FSV Mainz 05 unter die Journalisten mischte, kannten nur diejenigen, die schon länger mit dem Bundesligisten zu tun haben, aber auch die mussten zunächst zweimal hinschauen. Der Mann in der letzten Reihe, der sich eifrig Notizen machte, entpuppte sich dann aber schnell als alter Bekannter: Miroslav Karhan ist zu Besuch bei seinem alten Verein. Der Mittelfeldspieler, der zwischen 2007 und 2011 43 Mal für die 05er in der Bundesliga gespielt und 66 Zweitligaspiele absolviert hat, hospitiert diese Woche am Bruchweg, seiner alten Wirkungsstätte.

Eine legendäre Aktion im Zweitligaspiel 2008 am Bruchweg: Schiri Thomas "Django" Metzen zeigt Miroslav Karhan und Florian Bruns vom FC St. Pauli das beidhändige Doppelgelb. Der Ex-Profi, der nach seinem Vertragsende in Mainz zurück in die Slowakei gegangen und bei seinem Heimatklub FC Spartak Trnava noch drei weitere Jahre aktiv war, ist inzwischen Cheftrainer beim slowakischen Erstligisten. Karhan trainierte nach seinem Karriereende in Trnava zunächst die U15 und die U19, war Sportdirektor und übernahm vor einem Jahr die Verantwortung als Trainer des derzeitigen Tabellen-Sechsten. Allerdings zunächst nur etwas widerwillig. Karhan beerbte den entlassenen und erfolglosen Ivan Hucko und wollte mitten in der durchwachsenen Vorrunde im November, nach einer 0:7-Niederlage gegen MSK Zilina, selbst wieder die Brocken hinwerfen. Die Verantwortlichen überredeten den Coach, weiterzumachen. Der willigte ein. „Ich wollte eigentlich kein Cheftrainer sein, jetzt mache ich es doch“, sagte Karhan, der nach wie vor eine eher knöttrige Art zu reden hat und damit  zu seiner aktiven Zeit am Bruchweg Kultstatus erlangt hatte, beim Plausch mit den Journalisten. Jedenfalls gewann der internationale Profi, der einst bei Betis Sevilla sowie Besiktas Istanbul spielte und vom VfL Wolfsburg nach Mainz gewechselt war, nach der 0:7-Pleite fünf der bis heute absolvierten zwölf Begegnungen und hat nun Ambitionen noch weiter nach vorne zu klettern.

Karhan absolviert aktuell den internationalen Fußballlehrer-Lehrgang, hat auf dem Weg zur so genannten Uefa-Pro-Lizenz eines von zwei Jahren bereits hinter sich und darf als eingeschriebener Lehrgangs-Teilnehmer sein Team coachen. Allerdings verlangte der slowakische Verband von seinem ehemaligen Nationalspieler den Nachweis eines Praktikums. „Es musste schnell gehen. Ich habe in Wolfsburg und in Mainz angerufen, wo ich die Leute kenne und habe mich dann für die 05er entschieden.“ Die Zusage vom Klub war Formsache. Seit Ostern schaut Karhan nun am Bruchweg Martin Schmidt bei den Profis und Sandro Schwarz bei der U23 über die Schultern, tauscht sich mit den Trainer-Kollegen aus und sammelt Erfahrungen. Am Wochenende geht’s zurück nach Hause, am kommenden Dienstag steht das nächste Meisterschaftsspiel für Spartak Trnava auf dem Spielplan.

Neben seiner Praktikumsarbeit ist Karhan allerdings auch als Talentsucher unterwegs. „Wir möchten gerne etwas mehr deutsche Mentalität in unser Team bringen“, sagt der 40-Jährige. Vielleicht könne er ja am Bruchweg fündig werden.

Groß verändert hat sich der frühere 05-Profi nicht, ist allerdings etwas gesprächiger geworden. Unvergessen bleibt aus seiner aktiven Zeit ein Interview im Trainingslager in Flachau, das in Mainzer Journalistenkreisen zur Legende geworden ist. Karhan fungierte in einer Medienrunde als Dolmetscher für Radoslav Zabavnik. Der frisch verpflichtete Linksverteidiger beantwortete eifrig und in großer Ausführlichkeit alle gestellten Fragen. Karhan übersetzte in seiner gewohnt mürrischen Art und gelangweilten Gesichtsausdruck, reduzierte Zabavniks Aussagen gnadenlos auf ein absolutes Minimum und prägte das Interview mit inhaltschweren Sätzen wie „er fühlt sich wohl hier“ oder „er möchte einen Stammplatz“. Ein bis heute unerreichtes Stück Mainzer Mediengeschichte.

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite