Mehr Schärfe und Zug zum Tor

Jörg Schneider. Mainz.
Zwei Trainingseinheiten stehen dem Trainer des FSV Mainz 05 nach dem Ende der Länderspielpause mit dem nun wieder kompletten Kader zur Verfügung, um seine Mannschaft auf die schwere Aufgabe im Heimspiel am Samstag gegen Bayer Leverkusen vorzubereiten. „In erster Linie kommt es darauf an, Widerstände zu überwinden, Druckphasen zu überwinden, um dann ins eigene Offensivspiel zu kommen“, sagt der 05-Trainer. „Wir müssen aber auch die Gelegenheiten, die sich für uns daraus ergeben, im Umschaltspiel besser ausspielen als zuletzt. Wir brauchen mehr Zug zum Tor.“

Zum Auftakt gegen Hannover 96 war Yoshinori Muto nah dran am ersten Saisontor der 05er. Der Stürmer kam bei den jüngsten Länderspielen der Japaner nicht zum Einsatz und konnte sich nicht wie Alexandru Maxim ein Erfolgserlebnis auf internationaler Ebene sichern. Foto: Ekkie VeyhelmannDie Umstände sind nicht gerade optimal: Nur zwei nichtöffentliche Trainingseinheiten bleiben dem Trainer des FSV Mainz 05, um mit seinem nach dem Ende der Länderspielpause nun wieder kompletten Kader eine gezielte Vorbereitung auf das Heimspiel am Samstag gegen Bayer Leverkusen hinzukriegen. Erschwerend kommt hinzu, dass Sandro Schwarz mit seiner Mannschaft im zweiten Auftritt der Saison unter Zugzwang steht nach den beiden Auftakt-Niederlagen gegen Hannover 96 und beim VfB Stuttgart. Allerdings geht es der Werkself nicht viel besser. Auch Heiko Herrlich hat seine Nationalspieler erst seit heute wieder im Training, und die Leverkusener sind mit einem Punkt aus zwei Spielen auch nicht gerade optimal gestartet. Da ist mit einer spannenden Partie in der Opel Arena zu rechnen, wo die 05er das klare Ziel anstreben, die ersten Punkte einzufahren und damit auch zwangsläufig damit beginnen wollen und müssen, Tore zu schießen.

Alexandru Maxim und Kenan Kodro haben für ihre Nationalteams jeweils getroffen und sich auf internationaler Ebene das Gefühl eines Erfolgserlebnisses geholt. Yoshinori Muto dagegen ist bei seinem Japan-Trip vom Nationaltrainer nicht aufgestellt worden und kehrt ohne ein solches Erfolgserlebnis zurück nach Mainz. „Ich ärgere mich nicht darüber und sage auch nicht, er hätte auch bei uns sein können in diesen zwei Wochen“, betont Schwarz im Rahmen der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag. „Ich freue mich, dass die Jungs die Einladung bekommen. Yoshinori hat nun keinen Schub durch Länderspiele-Einsätze erhalten, aber Yoshi ist immer extrem fleißig, er hat zweimal nicht getroffen und trotzdem ist es sicher keine große Überraschung, dass er am Samstag auf dem Feld stehen wird und das hundertprozentige Vertrauen von uns erhält. Wir hätten uns gefreut, wenn er gesielt hätte für Japan und getroffen hätte wie Kenan Kodro, aber er ist absolut gefestigt. Er marschiert, hat Torchancen, er hat das im Pokalspiel sensationell gemacht. Wir setzen ihm jetzt nicht den Rucksack auf, dass er unter allen Umständen unbedingt treffen muss.“ Der Anspruch ist eher der, dass die 05er im Heimspiel die Voraussetzungen dafür schaffen mit ihrer Spielweise und ihren Offensivaktionen, dass der Japaner die Möglichkeit erhält zum Abschluss zu kommen. Das fehlte Muto beispielsweise in Stuttgart die meiste Zeit.

Mit Gbamin und Jairo im Kader?

Wie sieht’s ansonsten personell aus vor dem wichtigen Auftritt vor eigenem Publikum? Schwarz muss auf die noch verletzten oder angeschlagenen Jannik Huth, Alexander Hack, Philipp Klement und Emil Berggreen verzichten. Gaetan Bussmann ist zwar am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, wird aber noch kein Thema sein. Ähnlich dürfte es für Niko Bungert aussehen, der seit Dienstag verschärft trainiert. Eine klare Kader- und vielleicht auch Startelf-Option hat dagegen Jean-Philippe Gbamin. „Er macht im Training einen sehr guten, präsenten Eindruck“, sagt Schwarz. „Wir wissen, dass er noch Rückstand hat im Ausdauerbereich, weil er keine Vorbereitung hatte. Im Training ist er aber schon sehr stark und vor allen Dingen passsicher. Er ist ein klarer Kandidat für Leverkusen.“

Jean-Philippe Gbamin könnte nach den Trainingsleistungen vor dem Comeback stehen. Foto: Jörg SchneiderOb das auch für Jairo Samperio gilt, hat der 38-Jährige noch nicht entschieden. „Alle Beteiligten wissen, dass es definitiv besser hätte laufen können in der jüngeren Vergangenheit. Doch nach dem Gespräch mit dem Spieler und nach den ersten Trainingseinheiten haben wir einen sehr guten Eindruck von Jairo. So erwarten wir das auch. Wir haben ihn so empfangen, dass wir ihm das Gefühl geben wollen, dass er unser Spieler ist, dass er inhaltlich vorankommt. Er hat den Auftrag seine Leistung, seine Qualität wieder abzurufen. Das macht er in den ersten Tagen sehr gut. Er muss weiterhin so dran bleiben. Mal schauen, ob das schon am Samstag für ihn reicht, um in den Kader zu kommen.“

Schwarz gibt sich optimistisch und ist überzeugt von der Richtigkeit dessen, was im Training getan wird, um die Trendwende einzuleiten, das Erfolgserlebnis zurückzuholen. Die Bereitschaft seiner Profis, sich dem absoluten Leistungsgedanken zu verschreiben, jede Einheit mit voller Energie, größtmöglichem Engagement und voller Konzentration anzugehen, bestärkt den Coach darin. „Wir haben die zwei Wochen intensiv genutzt, haben viel trainiert. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass von denjenigen, die da waren, keiner einen Schritt weniger gemacht hat in dieser Länderspielpause. Die Bereitschaft im Training ist da. Wir haben die Dinge abgearbeitet, die wir besser machen können. Vor allem die Schärfe im Tiefenspiel“, betont Schwarz. „Die Jungs, die weg waren, sind in guten Zustand zurückgekommen. Die haben sich in den Länderspielen ein gutes Gefühl geholt. Da warten wir mal das Abschlusstraining ab, wie es dann kadermäßig für das Leverkusen-Spiel aussieht.“ Personelle Veränderungen gegenüber dem Stuttgart-Spiel sind wahrscheinlich, alleine schon wegen einer veränderten taktischen Herangehensweise.

Bayer Leverkusen kommt mit einem Kader, der mit sehr viel Tempo bestückt ist im Offensivbereich. Ein Team mit viel individueller Qualität gerade im Umschaltspiel und im Passverhalten in die Tiefe. „Sie sind die Mannschaft, die die meisten Tiefenpässe spielt in die Schnittstellen hinein. Das heißt, dass wir eine sehr gute defensive Organisation brauchen, viel Arbeit leisten, Phasen aushalten müssen, in denen der Gegner Druck machen wird. In erster Linie kommt es darauf an, Widerstände zu überwinden, Druckphasen zu überwinden, um dann ins eigene Offensivspiel zu kommen“, sagt der 05-Trainer. „Wir müssen aber auch die Gelegenheiten, die sich für uns daraus ergeben, im Umschaltspiel besser ausspielen als zuletzt. Wir brauchen mehr Zug zum Tor.“ Der kommende Gegner ist schwierig einzuschätzen, was dessen Grundordnung angeht. Der Bayer-Trainer schickte bei der Auftakt-Niederlage in München sein Team mit einer Viererkette ins Rennen und hatte daraus gegen die Bayern eine Fülle von Torchancen, die das Team fast schon fahrlässig liegen ließ. Zu Hause, beim 2:2 gegen die Hoffenheimer, stellten die Leverkusener auf die Dreierkette/Fünferkette um. „Wir müssen auf alles vorbereitet und für alles gewappnet sein“, sagt der 05-Coach.

Auch Schwarz hat mit seiner Mannschaft die Variante der Dreierkette in Testspielen und in etlichen Trainingseinheiten eingeübt. Drei Innenverteidiger auf einer Linie, zwei hochstehende Außenverteidiger, die bei Ballbesitz quasi Mittelfeldspieler sind und in Defensiv-Situationen die Abwehr zur Fünferreihe machen. „Wir können das definitiv spielen. Das kann ein Thema werden, muss aber nicht am Wochenende so sein“, sagt der Trainer. „Wir kennen die Vor- und Nachteile der Dreier-Fünferkette. Im 4-2-3-1 hast du die klareren, die klassischen Abläufe gegen den Ball. In der Fünferkette sind die seitlichen Abstände in der Arbeit gegen den Ball relativ eng. Das müssen wir abwägen.“  

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