Kinostunde mit Videos von Bayern-Siegen

Jörg Schneider. Mainz.
Thomas Tuchel hat’s getan, Martin Schmidt ebenfalls. Die Vorgänger von Sandro Schwarz auf dem Posten des Cheftrainers beim FSV Mainz 05 haben jeweils einen Sieg und ein Unentschieden beim FC Bayern München geschafft. Nun versucht sich Sandro Schwarz in seinem ersten Auswärtsspiel beim Rekordmeister in der Rolle des lästigen Außenseiters. Ob die Zeit schon reif ist, um die Bayern zu ärgern, wird man am Samstag sehen. Der 05-Coach fährt ohne Angst gen Süden, sagt aber: „Wir gehen davon aus, dass wir da sehr viel leiden müssen, das wissen wir jetzt schon. Aber auch dieses Spiel muss erst gespielt werden.“

Der FC Bayern München hat am Dienstagabend sein erstes Spiel der aktuellen Champions-Legaue-Runde gewonnen. Zu Hause mit 3:0 gegen den RSC Anderlecht, den letztjährigen Gruppengegner des FSV Mainz 05 in der Europaliga. Ein Pflichtsieg. Keine berauschende Vorstellung gegen einen Gegner, der 80 Minuten lang in Unterzahl spielen musste. Lassen sich daraus Rückschlüsse bilden für den Auftritt der 05-Profis am Samstag in der Allianz Arena gegen den Rekordmeister? Wahrscheinlich eher nicht. Zumindest sollten sich die Mainzer nicht davon aufs Glatteis führen lassen, dass es bei den Bayern intern brodeln könnte, dass vieles noch nicht so rund läuft, wie sich die erfolgsverwöhnten Münchner dies vorstellen. Und wie es schließlich auch erwartet wird von dieser Weltauswahl. Der Kommentar von Carlo Ancelotti dazu lautete: „Es war keine Topleistung, aber eine Leistung, die uns in dieser Phase reicht. Sicherlich hätten wir mit mehr Intensität spielen können, aber es war nicht notwendig." Solche Sätze des Trainers irritieren viele im Bayern-Umfeld. Doch gegen die 05er kann das schon wieder ganz anders aussehen, denn nach der Pleite am Wochenende in Hoffenheim wird man sich einen weiteren Ausrutscher in der Bundesliga kaum leisten wollen.

Große Freude und Erleichterung bei Sandro Schwarz nach dem 3:1 gegen Bayer Leverkusen. Der neue 05-Trainer hat die ersten drei Bundesliga-Punkte eingefahren. Nun kommt die Bewährungsprobe in München. Foto: Ekkie VeyhelmannDie Mainzer haben sich die Partie am Fernseher angeschaut, haben dazu genügend Video-Material aus Hoffenheim, um sich auf die Partie vorzubereiten. „Wir gehen davon aus, dass wir da sehr viel leiden müssen, das wissen wir jetzt schon“, sagt Sandro Schwarz. „Weil die Bayern den Anspruch haben, viel den Ball haben zu wollen.“ Und weil die Münchner unabhängig von allem anderen, eine Qualität auf den Platz bringen werden, die immer ausreicht, um Teams wie die 05er schlagen zu können. „Für uns geht es hauptsächlich darum, wie wir uns in der Arbeit gegen den Ball verhalten. Wie viel Schärfe wir da rein bringen, welchen Widerstandsgeist, wie groß unsere Bereitschaft ist, Dinge und Druckphasen komplett auszuhalten, und wie mutig wir dabei selbst sind im Umschalten“, betont der 05-Trainer. „Wir stark wir unseren Glauben an unsere Möglichkeiten aufrecht erhalten. Auch dieses  Spiel muss erst gespielt werden. Da gehören immer zwei Mannschaften dazu. Wir wollen daran Freude haben und versuchen mutig umzuschalten.“

Die Vorgänger des aktuellen 05-Cheftrainers haben ihre Erfolgserlebnisse gehabt in der Allianz Arena. Martin Schmidt hat in der Saison 15/16 dank der Tore von Jairo und Jhon Cordoba mit 2:1 in der Allianz Arena gewonnen, in der vergangenen Saison dort ein 2:2 geholt (Tore: Bojan und Brosinski). Ein Punktgewinn der am Ende mitentscheidend war für den Klassenverbleib. Unvergessen auch der 2:1-Erfolg mit Thomas Tuchel und den „Bruchweg-Boys“ in der Saison 10/11 durch die Tore von Allagui und Szalai. Im Jahr drauf schaffte Tuchel mit den 05ern dort noch ein 0:0. Eine solche Auswärtsbilanz in München haben nicht alle Klubs in der Liga. Daran wird man die Bayern in dieser Woche auch vor Ort noch einmal erinnern.

„Ich glaube schon, dass man in München sagt, gegen Mainz war es häufig sehr unangenehm. Was das aber für eine Wirkung hat, wird man sehen. Ich glaube, dass sie anerkennen, was Mainz 05 in den letzten Jahren geleistet hat und zu welchen Leistungen wir in München schon imstande waren“, sagt Schwarz. Dass kann aber auch zu einem Motivationsschub beim Rekordmeister führen. „Sie werden auf jeden Fall scharf sein. Davon gehen wir aus, aufgrund des Ergebnisses in Hoffenheim. Sie werden nicht wollen, dass so etwas zweimal hintereinander passiert“, erklärt der 38-Jährige.

"Ich bin glücklich, wenn wir Spiele gewinnen"

In jedem Fall werden sich Trainer und Mannschaft in den kommenden Tagen mit den Bildern aus den erfolgreichen Spielen in München eingehend beschäftigen. „Der Ansatz war immer gleich, es gab unterschiedliche Grundordnungen, aber bei allen Erfolgserlebnissen stand die Mannschaft immer extrem stabil in der Defensivordnung. Die Bilder davon wollen wir uns schon zunutze machen, um zu sehen, wie da die Organisation war, um daraus Dinge für uns abzuleiten. Da kannst du definitiv was rausziehen. Wir wären ja bescheuert, wenn wir das nicht anschauen würden“, betont der Coach.

Er persönlich und auch seine Mannschaft seien weit davon entfernt mit Angst nach München zu fahren. „Der Kuhni (Torwarttrainer Stefan Kuhnert) erzählt mir jeden Tag wie geil das ist, in München zu spielen. Ich freue mich drauf. Auch darauf, wie wir uns dort wehren werden“, sagt der 05-Trainer. Der 3:1-Erfolg zu Hause gegen Bayer Leverkusen hat das Selbstbewusstsein und das Zutrauen der 05-Profis in die eigene Leistung gestärkt. Die Mainzer fahren nicht mit der Belastung noch kein Spiel gewonnen zu haben zu diesem Auswärtsspiel. Jedes Team hofft darauf, die Bayern zu ärgern und möglichst in deren Stadion einen Überraschungscoup zu starten. Schwarz will das Ganze jedoch nicht erhöhen. Er sei von Natur aus nicht so geprägt, dass er Siege gegen bestimmte Mannschaften besonders hervorhebe. „Ich bin glücklich, wenn wir Spiele gewinnen. Das war als U19- und als U23-Trainer so und ist jetzt als Profi-Trainer auch seit Samstag so. Ich sehe aber die Qualität des Gegners und beschäftige mich eigentlich nur mit der Aufgabe, die uns dort gestellt wird, weniger mit den äußeren Umständen. Ich weiß, dass wir alles tun, um erfolgreich zu sein mit der Mannschaft. Wir versuchen, das Beste zu machen, was wir können.“

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