Der Kapitän ruft und alle kommen

Christian Karn. Mainz.
Vielleicht gerade weil der alte Zauderer das große Talent hatte, nicht nur gegnerischen Stürmern, sondern auch mal der eigenen Karriere im Weg zu stehen, wurde Nikolce Noveski beim FSV Mainz 05 nicht nur eine Vereinslegende, sondern auch der Bundesliga-Rekordspieler des Vereins. Zwei Jahre nach seinem Karriereende bekommt der Mazedonier nun am Samstag das längst versprochene Abschiedsspiel. Dabei ist fast jeder, der während Noveskis elf Jahren als 05-Profi am Bruchweg Rang und Namen hatte. "Ich freue mich riesig darauf", sagt der Star des Abends.

Die Teams

Team Mainz 05:
Dimo Wache,
Christian Wetklo,
Tamás Bódog,
Niko Bungert,
Junior Díaz,
Manuel Friedrich,
Nikolce Noveski,
Marco Rose,
Neven Subotic,
Christof Babatz,
Antonio da Silva,
Johannes Geis,
Fabian Gerber,
Daniel Gunkel,
Milorad Pekovic,
Dennis Weiland,
Chadli Amri,
Benjamin Auer,
Michael Thurk,
Mohamed Zidan.
Trainer: Jürgen Klopp.

Team Nikolce:
Loris Karius,
Dario Kresic,
Stefan Bell,
Nikolce Noveski,
Zdenek Pospech,
Bo Svensson,
Benjamin Weigelt,
Radoslav Zabavník,
Florian Heller,
Lewis Holtby,
Miroslav Karhan,
Jürgen Kramny,
Eugen Polanski,
Elkin Soto,
Sami Allagui,
Srdjan Baljak,
Ivan Klasnic,
Petr Ruman,
Niclas Weiland
sowie ein Wildcard-Gewinner.
Trainer: Thomas Tuchel.

Entspannt wirkt er, der Rekordmann, der Eisenmann. Mit sich und mit seinem Karriereende im Reinen wirkt Nikolce Noveski; das Hin und Her, das der alte Zauderer nach seinem Abschied von Mainz 05 vor zwei Jahren in der Frage "Weitermachen - ja oder nein, wenn ja, dann wo" nach 256 Bundesligaspielen (bis auf acht Minuten als junger Stürmer! für Hansa Rostock alle für Mainz 05) veranstaltet hat, hat offenbar keine Spuren hinterlassen. Nur einmal kommt der 38-Jährige ins Stolpern: "Ich will den Fußball... 'vergessen' - das ist nicht das richtige Wort..." Noveski denkt kurz nach, formuliert es neu: Den Übergang vom Fußball ins normale Leben will er abschließen. Die Wohnung in Mainz hat Noveski noch, den Trainer-A-Schein hat er mittlerweile gemacht, ohne aber schon konkret eine Trainerlaufbahn zu planen. Oft sieht man ihn bei den 05-Heimspielen auf der Tribüne, oft ist er aber auch in Mazedonien, bei der Familie, bei den Eltern. Auf dem Weg dahin, den Fußball eben nicht zu vergessen, hält er sich mit anderen Sportarten fit: "Kickboxen, viel Radfahren - das Adrenalin und den Kick braucht man schon..."

Wenige Minuten nach Nikolce Noveskis 256. Bundesligaspiel versprach Christian Heidel dem langjährigen 05-Abwehrchef ein Abschiedsspiel. Zwei Jahre später lösen die 05er das Versprechen nun ein. Während Ja-Cheol Koo und Shinji Okazaki bei ihren Nationalmannschaften sind, werden unter anderem Loris Karius und Johannes Geis mitspielen. Foto: imagoMit 36 Jahren hat der langjährige Abwehrchef des FSV Mainz 05 seine Profikarriere vor zwei Jahren beendet. Für die 05er hat er in der ersten und zweiten Bundesliga, im DFB- und im Europapokal 348 Mal gespielt - nicht ganz so oft wie "Schorsch" Müller, nicht annähernd so oft wie Dimo Wache, öfter als alle anderen. Niko Bungert (210) wird ihn nicht mehr einholen können, Stefan Bell (143) sicher nicht vor 2022. 512 Spiele im Profifußball hat der Mazedonier insgesamt in seiner Bilanz stehen. Anstelle des 513. gibt es am Samstag (17 Uhr) mit gut zweijähriger Verspätung das Abschiedsspiel.

Dazu haben Noveski und die 05er eine gewaltige 05-Prominenz zusammengetrommelt, neben dem Star des Abends inklusive der Trainer Jürgen Klopp und Thomas Tuchel 38 Weggefährten des Mazedoniers, von Dario Kresic, den man nie in Pflichtspielen auf dem Platz gesehen hat, über aktuelle Profis wie Sami Allagui, Johannes Geis, Lewis Holtby oder die beiden aktuellen 05er Stefan Bell und Niko Bungert, über 05-Legenden wie Michael Thurk, Manuel Friedrich, Jürgen Kramny bis hin zu Tamás Bódog, dessen Karriere Noveski selbst einst beendet hat, worauf seine eigene begann. "Mein erstes Bundesligaspiel für Mainz gegen Werder Bremen war ein Highlight für mich", erinnert sich der Verteidiger. "Wir haben 2:1 gewonnen" - und der Platz in der Abwehr war frei geworden, weil im Training die Schulter des bis dahin überhaupt nicht gebrauchten Neuzugangs härter war als der Schädel des neun Jahre älteren Routiniers. Bódog fiel lange aus, Noveski etablierte sich im Team.

"Ich kannte Mainz aus der 2. Bundesliga", erzählt Noveski. "Wir" - sein vorheriger Verein Erzgebirge Aue - "hatten an Ostern am Bruchweg gespielt. Ich war fasziniert von der Atmosphäre und habe nur einen Tag gebraucht, um Jürgen Klopp und Christian Heidel zuzusagen." An "tolle elf Jahre" erinnert sich Noveski nun, "mit Höhepunkten und Tiefpunkten, tollen Spielern und Trainern. Das ist das größte Glück, das man als Spieler haben kann. Ich blicke auf eine erfolgreiche Karriere zurück."

Eine Karriere, in der der Abwehrchef seinen Verein durchaus auch geprägt hat. Das sieht man an der langen Liste seiner Gäste im Abschiedsspiel. "Ich freue mich riesig darauf, alte Kollegen wieder zu sehen", sagt Noveski, und Pressechef Tobias Sparwasser erklärt, fast alle Eingeladenen hätten zugesagt und diejenigen, die nicht dabei sind, hätten gute Gründe: Länderspielnominierungen oder Verletzungen. Nicolai Müller beispielsweise habe auch auf dem Zettel gestanden, aber der Kreuzbandriss des Hamburgers macht ein Mitspielen unmöglich. Hingegen nimmt Elkin Soto sogar eine halbe Weltreise auf sich: Der Mainzer Bundesliga-Vize-Rekordspieler (bis zum übernächsten Einsatz von Niko Bungert) kommt mit dem anstrengenden Transatlantikflug aus Bogotá noch einmal nach Europa; gerade hatte der inzwischen 37-Jährige beim 3:2-Sieg seines Heimatklubs CD Once Caldas gegen den Tabellenführer Junior Barranquilla seinen ersten Startelf-Einsatz der neuen Saison. "Man kann sehen, wie gerne die Kollegen wieder nach Mainz kommen", schwärmt Noveski.

Und der Chef, der die lange Laufbahn des Mazedoniers nur als unbeteiligter Zuschauer erlebt hat, freut sich auf ein "Fußballfest für uns Mainzer. Es ist eine wichtige Sache, dass wir zeigen, eine Historie und eine Bundesliga-Tradition zu haben", sagt der neue 05-Präsident Johannes Kaluza. "Zwei Trainerlegenden sind da, viele Aufstiegshelden, viele Spieler aus dem ersten Bundesligajahr von Mainz 05, um die Fanseele aufzuladen. Großartig, dass das stattfindet!" Rund 10.000 Karten für das Spiel haben die 05er bereits verkauft.

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