Das 05-Kalenderblatt: 22. bis 24. August

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um einen bedeutenden Nachkriegs-Allrounder, ein Spiel mit Noveski-Eigentor, Eishockeypass und Legendenstatus, den Gaukler und um einen, der es nach ein paar Umwegen bei den 05ern geschafft hat.

22. August: 

Wie jede Woche: Mainz 05 in Aue. Diesmal geht es um den Geburtstag des Herrn rechts in der mittleren Reihe: Werner Sommer kam am Dienstag vor 82 Jahren zur Welt.Am Dienstag vor 81 Jahren kam einer der ganz großen 05er der alten Oberligazeit zur Welt: Werner Sommer, der von 1953 bis 1961 in 187 Ligaspielen für die Mainzer 32 Tore schoss. Sommer kam 1953 als Mittelstürmer aus der Jugendmannschaft ins Oberligateam. Einen Tag vor dem zweiten Saisonspiel wurde er erst 18 Jahre alt. Jene Partie gegen Phönix Ludwigshafen verpasste Sommer daher, grundsätzlich aber war er sofort Stammspieler. Bereits in seinem zweiten Spiel, dem 3:0 in Frankenthal, schoss der junge Angreifer sein erstes Oberligator zum 2:0 - das Eigentor zum 1:0 hatte er davor schon erzwungen. Karl-Heinz Wettig, sein Vorgänger als Mittelstürmer, wechselte derweil zurück auf den Flügel - und schoss das 3:0. 13 Mal traf Werner Sommer in seiner ersten Saison, auch beim berühmten 5:2 gegen den FCK im November 1953.

Im Abstiegskampf seines zweiten Jahrs bei den Großen verlor Sommer seinen Stammplatz. 1955/56 kam er als offensiver Mittelfeldspieler zurück, ab 1957/58 war Sommer schließlich unersetzlich im linken defensiven Mittelfeld. Dass er seine Stürmerqualitäten nicht verlernt hatte, bewies er, als er im Winter 1958/59 noch einmal ganz vorne aushelfen musste - in sieben Spielen traf Sommer fünfmal. 1961 schließlich kündigte der langjährige 05er seinen Vertrag und wechselte in den Amateurfußball zu Mombach 03. Nur vier Mann hatten bis dahin häufiger für die 05er in der Oberliga gespielt als Sommer.

An seinem 19. Geburtstag war Werner Sommer bei einem berüchtigten Spiel dabei: Nur 500 Zuschauer - durchschnittlich besuchten damals knapp 4.500 Fußballfreunde die Mainzer Heimspiele - sahen am 22. August 1954 eine hässliche Partie gegen Eintracht Trier. Tiefpunkt: Ein Zusammenprall zwischen dem Mainzer Rechtsaußen Franz Mattes und dem Trierer Mittelläufer Walter Brech in der 75. Minute, nach dem Brech den Mainzer kurzerhand mit einem Hieb an die Halsschlagader K.o. schlug. Brech flog natürlich vom Platz, Mattes konnte nach mehrminütiger Bewusstlosigkeit weiterspielen. Die 05er gewannen das Spiel 1:0 durch ein Tor des Neuzugangs Willy Dinges, der in seinen ersten fünf Spielen viermal traf, danach nie wieder.

Am Dienstag vor Torschützen über sich: Andreas Ivanschitz und Aristide Bancé trafen am 22. August 2009 zum 2:1 gegen die Bayern. Im Hintergrund freut sich der junge André Schürrle, der noch auf sein erstes Bundesligator wartet - am 19. September war's so weit. Foto: imago68 Jahren wurde Hans-Joachim "Jockel" Jakobi geboren. Der Sohn des ehemaligen Mainzer Oberliga-Stoppers Willi Jakobi (120 Oberligaspiele für die 05er von 1957 bis 1963) kam 1970 als 20-Jähriger vom SV Kriftel nach Mainz. Mal als Mittelstürmer, mal als Linksaußen war Jakobi im ersten Jahr ein klarer Stammspieler bei den 05ern. Die Neuzugänge Gerd Klier und Herbert Renner verdrängten ihn 1971 immer häufiger auf die Ersatzbank; als 1972 auch noch Manfred Kipp kam und die 05er ihren 54-Tore-Sturm zusammen hatten, spielte Jakobi kaum noch. Nach 47 Regionalligaspielen und 13 Toren (25/10 in der ersten Saison) wechselte der Angreifer 1973 zum VfR Bürstadt.

Und acht Jahre liegt ein Spiel der 05er gegen Bayern München zurück. An jenem 22. August 2009 brachte ein Neuzugang die 05er nach 25 Minuten in Führung: Andreas Ivanschitz, in den ersten Wochen der Saison 2009/10 der gefährlichste Offensivspieler der Bundesliga. Die 05er vergaben weitere Chancen gegen die fahrigen Bayern, dann erhöhte Aristide Bancé auf 2:0. Nicht mal das in so vielen denkwürdigen Spielen obligatorische Eigentor von Nikolce Noveski kurz nach der Halbzeit gefährdete schließlich den Dreier: Ein präziser Pass von Miroslav Karhan von der Mittellinie an die Eckfahne, wo kein Mensch war, verschwendete in der Nachspielzeit die entscheidenden Sekunden. Es war der erste Pflichtspielsieg der 05er gegen die Bayern.

Weitere Ergebnisse am 22. August:

1965: SV Völklingen 06 - FSV Mainz 05 2:1 
1971: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 0:3 
1976: FSV Mainz 05 - Gummi Mayer Landau 3:2 
1982: FSV Mainz 05 - ASC Dudweiler 1:1 
1990: FSV Mainz 05 - Fortuna Köln 1:3 
1992: FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 2:1 
1993: FSV Mainz 05 - TSV München 1860 1:1 
1997: FSV Mainz 05 - FC Gütersloh 1:1 
1999: Fortuna Köln - FSV Mainz 05 2:1 
2010: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 2:0 
 

23. August: 

Sah gut aus und schoss Tore: Karl Scherm, der "Gaukler".Am Mittwoch vor 86 Jahren spielte der "Gaukler" erstmals in Mainz. Das erste Heimspiel gegen Viktoria Urberach hatte der Neuzugang noch verpasst, im ersten Auswärtsspiel, dem 2:3 bei Alemannia-Olympia Worms, hatte er seine ersten beiden Tore geschossen. Im Heimdebüt gegen Rot-Weiß Walldorf zeigte Karl Scherm zum ersten Mal dem Mainzer Publikum, was in den folgenden Jahren zu erwarten war. Der Nürnberger schoss das 1:1, das 2:1, das 3:1, das 6:1 und das 8:1 beim 8:2-Sieg gegen den Aufsteiger. Mit 23 Toren in 15 Spielen wurde Scherm schließlich Torschützenkönig; auch wegen seiner Verletzung hatten die 05er in der anschließenden süddeutschen Endrunde keine Chance. Nach seiner Genesung blieb Scherm ein extrem gefährlicher Torjäger; das Spiel gegen Walldorf blieb jedoch der einzige Fünferpack des "Gauklers".

Weitere Ergebnisse am 23. August:

1953: FSV Mainz 05 - Phönix Ludwigshafen 1:1 
1958: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 1:3 
1959: 1. FC Kaiserslautern - FSV Mainz 05 3:1 
1964: Spfr. 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:1 
1970: FSV Mainz 05 - SV Alsenborn 6:0 
1975: FSV Mainz 05 - SSV Reutlingen 05 4:2 
1981: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:1 
1987: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 3:0 
1994: VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 2:0 
1996: FSV Mainz 05 - Rot-Weiss Essen 2:1 
2015: Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 1:2
 

24. August: 

Der Matchwinner auf dem Zaun: Gegen Schalke schoss Stefan Bell gegen Ende der Saison 2014/15 den ersten Doppelpack eines Mainzer Bundesliga-Verteidigers. Foto: Bernd Eßling.Am Donnerstag hat ein Verteidiger Geburtstag, der vor ein paar Jahren fast unbemerkt vom Talent zum Leistungsträger reifte, auf einmal Stammspieler war und heute kaum aus der 05-Bundesligamannschaft wegzudenken ist: Stefan Bell, der Innenverteidiger aus Andernach, wird 26 Jahre alt.

Bells erster Auftritt in Mainz endete noch im Fiasko: Mit TuS Mayen kassierte der Rheinländer 2006/07 in der U17-Regionalliga ein 0:13. Und dennoch spielt Bell heute höher als alle anderen Beteiligten an dieser Partie auf dem Bruchweg-Kunstrasen - mit einer Ausnahme: André Schürrle, der Schütze des 8:0, ist Weltmeister. Von den restlichen 05ern hat kein einziger auch nur einmal in der ersten oder zweiten Bundesliga gespielt; Bell ist Stammspieler und Abwehrchef eines etablierten Erstligisten geworden.

Der Weg dorthin war allerdings weit für den Verteidiger. Im zweiten B-Juniorenjahr war Bell bereits Stammspieler bei der Mainzer U17, meist in der Innenverteidigung, aber oft auch noch als Sechser. In der U19 blieb der Verteidiger ein Leistungsträger und wurde Junioren-Nationalspieler. Die Partien um die Deutsche Meisterschaft mit Thomas Tuchel verpasste Bell jedoch 2009 wegen einer Verletzung.

In den Profifußball kam Bell über Umwege. Als 19-Jähriger war er Stammspieler beim Zweitligisten TSV München 1860. Eintracht Frankfurt, damals ebenfalls gerade Zweitligist, konnte mit dem Verteidiger 2011 nichts anfangen, so dass die Klubs die Leihe Ende 2011 schon nach einem halben Jahr vorzeitig beendeten. In Mainz spielte Bell in der Rückrunde allerdings auch keine Rolle. Ab Sommer 2012 setzte er sich immerhin im Regionalligateam durch. Und nach zwei Bundesliga-Einwechslungen vor Weihnachten wurde er im März 2013 plötzlich bei den Profis gebraucht - als Rechtsverteidiger. Bell machte seine Sache gut; in seinen ersten drei 90-Minuten-Partien kassierten die 05er nur ein Tor.

Seit sich im September 2013 Niko Bungert verletzte, ist Bell Stammspieler bei den 05ern: Von den letzten 130 Bundesligaspielen der 05er verpasste er nur elf (drei davon wegen Sperren); 115 Mal spielte er von Anfang an und nur einmal wurde er ausgewechselt. Sogar Tore schießt Bell mittlerweile; aufs erste (im Heimspiel gegen Gladbach in der Saison 2014/15) musste er sehr lange warten, das zweite und dritte folgten knapp zwei Monate später gegen Schalke binnen vier Minuten. In mittlerweile 375 Mainzer Bundesligaspielen ist Bell damit der erste und bislang einzige Mainzer Verteidiger, der zweimal in der gleichen Partie ins gegnerische Tor getroffen hat. Und mit 26 Jahren hat der Mann mit der Nummer 16 noch viel vor sich.

Außerdem haben vier aktuelle Nachwuchsspieler der 05er am Donnerstag Geburtstag. Der U23-Neuzugang Sandro Loechelt wird 22 Jahre alt, Heinz Mörschel, inzwischen Stamm-Zehner der U23, 20 Jahre, Kennet Hanner López und Christian Kinsombi, Mittelstürmer und Linksaußen im älteren U19-Jahrgang, 18 Jahre.

Weitere Ergebnisse am 24. August:

1930: Alemannia 05 Worms - FSV Mainz 05 5:0 
1952: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:2 
1969: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 0:1 
1974: TSV München 1860 - FSV Mainz 05 1:3 
1977: FK Clausen - FSV Mainz 05 2:4 
1980: ASC Dudweiler - FSV Mainz 05 1:3 
1986: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 3:0 
1991: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 1:0 
2003: VfL Osnabrück - FSV Mainz 05 2:2 
2007: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 4:1 
2008: TSV München 1860 - FSV Mainz 05 1:2 
2013: FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 2:0 
2014: SC Paderborn 07 - FSV Mainz 05 2:2 

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