Das 05-Kalenderblatt: 2. bis 4. September

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles beim FSV Mainz 05 passiert ist. In diesen Tagen geht es um einen frühen Weltreisenden, einen Weitschützen, ein Abwehrtalent mit langer Profikarriere, einen gesellschaftlich engagierten Autofan und einen Doktor der Medizin.

2. September  

Eine ganze Reihe ehemaliger 05-Spieler hat am heute Geburtstag. Der Älteste, aber nicht der Bedeutendste ist Jürgen Rohmer. Der Mittelfeldspieler kam aus dem eigenen Nachwuchs in die erste Mannschaft der 05er, spielte gegen Ende der Saison 1974/75 zweimal in der 2. Bundesliga, wechselte aber nach der Saison zu Kastel 06. Als die 05er ein Jahr später nach dem Rückzug aus der 2. Bundesliga eine neue Mannschaft aufbauen mussten, kam Rohmer als einer von fünfzehn Neuzugängen zurück, setzte sich aber wie viele der Neuen nicht durch. Rohmer spielte nur sieben Mal und schloss sich 1977 erneut den Kastelern an. Rohmer wird heute 63 Jahre alt.

Seinen 50. Geburtstag kann Mike Janz feiern. Der Mittelfeldspieler kam als 13-Jähriger vom MTV 1817 zu den 05ern und debütierte ebenfalls 1985 in der ersten Mannschaft. Janz war ein großes Talent, ein Spieler, dem großes Potenzial zugeschrieben wurde, aber auch einer, der immer wieder durch schwere Verletzungen zurückgeworfen wurde. Erst 1989/90 war er über eine komplette Saison Stammspieler, inzwischen ebenso oft als Manndecker wie auf seiner ursprünglichen Position im zentralen Mittelfeld. In der 2. Liga musste sich Janz immer wieder mit starken Konkurrenten um die Plätze in der Startelf streiten; mal setzte er sich durch, mal nicht. Nach sieben Spieltagen der Saison 1992/93 machte eine weitere schwere Verletzung seiner Zweitliga-Karriere ein Ende.

Ein vorläufiges zumindest. Denn im Herbst 1995 holte Amateurcoach Manni Lorenz, Interimstrainer der Profis nach der Entlassung von Horst Franz, Mike Janz aus der zweiten Mannschaft wieder nach oben. Trotz der 0:1-Niederlage war dieser beim Comeback gegen Fortuna Köln im zentralen Mittelfeld der überragende Mann auf dem Platz. Bis zum Ende der Hinrunde war Janz noch einmal Stammspieler in der 2. Bundesliga; durch die Winter-Verpflichtungen von Lars Schmidt, Marco Weißhaupt und durch die Rückkehr von Michael Müller, der die Hinrunde nahezu komplett verpasst hatte, war anschließend nicht mehr viel Platz im Team für Janz. 1999 promovierte Janz zum Doktor der Medizin, seit 2007 arbeitet er in seiner eigenen Praxis in Kostheim.

Drei Geburtstagskinder am Samstag: Von links Mike Janz, "Felgenralle" Gunesch und Peter Perchtold.Ralph Gunesch wird 34 Jahre alt. Der aus Rumänien stammende Verteidiger spielte in der Abstiegssaison 2006/07 für die 05er, allerdings nicht oft. Beim FC St. Pauli war der in Aachen ausgebildete Gunesch zuvor und anschließend Stammspieler, ab 2012 auch beim FC Ingolstadt 04. Seit dem Bundesliga-Aufstieg der Ingolstädter ist Gunesch ohne Verein. Der wegen seiner Begeisterung für Autos auch "Felgenralle" genannte Gunesch ist abseits des Fußballs vor allem bekannt für klare Meinungen und Ansagen. Gunesch engagiert sich intensiv gegen Rechtsextremismus, aber auch für die Interessen der Fußballfans, nutzt dazu intensiv die modernen Kommunikationswege, kann dabei bemerkenswert unbequem werden. Und macht das gut.

33 Jahre alt wird Peter Perchtold. Der Deutsch-Österreicher aus Nürnberg machte eine durchaus überraschende Karriere bei Mainz 05: Eigentlich verpflichteten die 05er den mit zwei Spielen für den VfB Stuttgart geringfügig Bundesliga-erfahrenen Mittelfeldmann 2011 als Führungsspieler des Regionalligateams. Bereits am ersten Spieltag aber sah Perchtold Rot wegen einer Tätlichkeit. Nach der Drei-Spiele-Sperre kam er zu einem einzigen weiteren Einsatz, dann verletzte er sich schwer genug, dass er schließlich seine Karriere beenden musste.

Zu diesem Zeitpunkt war Perchtold jedoch schon so etwas wie ein Co-Trainer der Mainzer U23. Bald machten die 05er ihn auch offiziell zum Assistenten Martin Schmidts. Als dieser 05-Cheftrainer wurde, kam Perchtold zunächst als Assistent des Trainerteams mit; als Bo Svensson vom Co-Trainer-Posten zur Chefrolle bei der U16 delegiert wurde, wurde Perchtold erneut auch offiziell Schmidts Co-Trainer - jetzt auch bei den 05-Profis in der Bundesliga. Nachdem sich die 05er von Schmidt trennten, wechselte Perchtold als Co-Trainer zu Schalke 04.

Außerdem haben zwei ehemalige 05-Amateurspieler Geburtstag. Valerie Ebongollé wird 39 Jahre alt. Der Ghanaer war 2000/01 Stammspieler im Oberligateam und spielte bei der 0:4-Pokalniederlage beim 1. FC Nürnberg eine Halbzeit mit den Profis. Christian Bolm schoss von 2003 bis 2006 in 70 Ober- und Regionalligaspielen für die 05-Amateure elf Tore, spielte später für den FK Pirmasens und Wormatia Worms und ist inzwischen U19-Trainer des TSV Schott. Bolm wird 34 Jahre alt.

Ergebnisse am 2. September:

1928: Alemannia Worms - FSV Mainz 05 1:2  
1951: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 0:0  
1956: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 0:7  
1973: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 0:1  
1979: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 1:2  
1984: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 1:0  
1987: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 1:3  
1990: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 1:1  
1992: Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 3:1  
1995: Hertha BSC - FSV Mainz 05 2:0  
2007: Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2  
 

3. September  

Der langjährige Profi Helmut Zahn zu Beginn seiner Karriere im Mainzer Trikot.Ein großes Talent des FSV Mainz 05 wird am Sonntag 62 Jahre alt: Helmut Zahn, der als Profi in weit über 300 Erst- und Zweitligaspielen im süd- und südwestdeutschen Raum am Ball war. Die 05er hatten den talentierten Außenstürmer 1974 als 18-Jährigen vom FV Weinheim verpflichtet und wegen gewisser technischer Defizite schnell zum Rechtsverteidiger umgeschult. Zahn brauchte ein Jahr zur Eingewöhnung, im zweiten wurde er Stammspieler, als die Verletzung des Liberos Jürgen Richter die Abwehr durcheinanderbrachte: Der als Vorstopper gestartete Gerd Schwickert wurde neuer Libero, der Rechtsverteidiger Herbert Scheller kümmerte sich fortan um den gegnerischen Mittelstürmer. Und für Zahn wurde zunächst im Mittelfeld, schnell aber hinten rechts ein Platz frei in der Startelf. Die Bilanz des klassischen dynamischen Offensivverteidigers: Nach acht Spielen (drei in der Startelf) in seiner ersten Saison spielte er im zweiten Jahr 30 Mal, 25 Mal von Anfang an. In einer chaotischen Saison kassierten die 05er jedoch die zweitmeisten Gegentore der Liga, allein 19 von 92 allerdings erst in den letzten vier Spielen, als auch Schwickert und Zahn verletzt waren.

Am Ende jener Saison zogen sich die 05er freiwillig in den Amateurfußball zurück. Zahn, eins von zwei Toptalenten, ging mit in die Verbandsliga, war aber unter diesen Umständen nicht lange zu halten: 1977, nach 27 Spielen im Mittelfeld, wechselte er wieder in den Profifußball. Für Wormatia Worms, den Freiburger FC, Darmstadt 98, den Karlsruher SC und den 1. FC Saarbrücken spielte Zahn bis 1986 in der ersten und zweiten Bundesliga. Bei allen Klubs war Zahn Stammspieler.

Der erste Mainzer Torjubel in der Bundesliga galt Christof Babatz. Fotos: imago, Mainz 05.Einer der gefährlichsten Scharfschützen der ersten Jahre unseres Jahrhunderts war das nicht - zum Glück für die 05er: Hätte Christof Babatz beim Hamburger SV von 1997 bis 2000 eine größere Rolle gespielt, wäre er für Mainz 05 unerschwinglich gewesen. Der harte Arbeiter kam im Herbst 2000 - als noch während der kompletten Hinrunde Spielerwechsel möglich waren - vom HSV, um den in der 2. Liga mal wieder überforderten 05ern im defensiven Mittelfeld etwas mehr Stabilität zu verleihen. Der größte Künstler war er nicht, aber dank seiner Kompromisslosigkeit und seines gewaltigen Weitschusses war "Bummbumm" Babatz schnell ein ganz wichtiger Leistungsträger. Hin und wieder schoss er den gegnerischen Torhütern aus 30 Metern oder mehr die Finger weg, seinen größten Beitrag zum Aufstieg allerdings leistete der Niedersachse als Vorbereiter: Nach dem berüchtigten 1:3 in Fürth gaben die 05er bekanntlich die Aufstiegshoffnungen auf; in den verbleibenden fünf Spielen traf Babatz zweimal selbst per Elfmeter, vor allem aber legte er seinen Kollegen sechs Tore auf, darunter das 2:0 und das 3:0 im entscheidenden Spiel gegen Eintracht Trier. Nur gerecht also, dass Babatz am 8. August 2004 das erste Bundesligator der 05er schoss - natürlich ein harter Freistoß.

Im ersten Bundesligajahr der 05er war Babatz ein wichtiger Stammspieler. Durch Verletzungen verlor er diesen Status ab Sommer 2005. Im Winter 2006/07 schließlich trennten sich die 05er von ihrem Aufstiegshelden - eine Liga höher als zur Zeit seines Wechsels nach Mainz waren sie ähnlich überfordert wie damals, für die Verpflichtungen von Leon Andreasen und Elkin Soto musste Platz geschaffen werden im Kader. Bei TuS Koblenz und Waldhof Mannheim ließ Babatz seine Karriere ausklingen. Mittlerweile ist der A-Lizenzinhaber als Leiter einer Fußballschule im Nachwuchsförderprogramm der 05er aktiv. Morgen wird "Bummbumm" Babatz 43 Jahre alt.

36 Jahre alt wird Stephan Maas, der torgefährliche Linksaußen der 05-Amateure in den Oberligajahren 2001 bis 2003 und im Regionalligajahr 2003/04. Der gebürtige Frankenthaler, aus der Jugend von Waldhof Mannheim verpflichtet, traf in 94 Ligaspielen 26 Mal, gewann dreimal den Südwestpokal, wechselte dann zum SV Wehen, zur SpVgg Elversberg und zum Waldhof zurück.

Ergebnisse am 3. September:

1961: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 3:2  
1967: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 2:1  
1978: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 1:1  
1983: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 5:0  
1986: ASC Dudweiler - FSV Mainz 05 0:1  
1989: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 2:0  
1994: Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 4:0  
 

4. September 

Am Sonntag vor 109 Jahren kam der Weltreisende Albert Zimmermann zur Welt.

Am Montag vor 110 Jahren kam Albert Zimmermann zur Welt. Unter den 05ern seiner Generation dürfte der Stürmer die interessanteste Karriere gehabt haben. Der 1907 im gerade erst eingemeindeten Arbeiter-Vorort Mombach geborene Zimmermann sollte eigentlich gar nicht Fußball spielen - der Vater muss aber stolzer auf seinen Sohn gewesen sein, als er zugab: Zimmermann senior sammelte alle Zeitungsausschnitte, in denen sein Sohn erwähnt wurde. Er sammelte sie heimlich, aber sie haben den Krieg überstanden. Die Sammlung, mit der vor bald 90 Jahren die Karriere eines jungen Kickers dokumentiert wurde, existiert immer noch im Familienbesitz, daher wissen wir heute auch, dass der Stürmer - 48 Spiele, 25 Tore für die 05er - zu einem DFB-Lehrgang zur Vorbereitung aufs Olympische Fußballturnier von 1928 eingeladen war. Das wissen wir, weil der Alberts Sohn sich vor rund zwei Jahren gemeldet hat, um den bis dahin falsch überlieferten Geburtstag seines Vaters zu korrigieren.

Und dank des Sohns wissen wir jetzt auch, warum Albert Zimmermann ab 1929 in keinem hiesigen Archiv mehr auftauchte: Der junge Fußballer - 21 Jahre alt erst - folgte nämlich 1929 seinem Onkel in die USA, spielte Fußball beim Deutschen Sport-Club Portland in Oregon und beim Teutonia Soccer Club in San Francisco. Sogar aus der Vorkriegs-Immigrantensportszene der Vereinigten Staaten geht also eine Verbindung nach Mainz auf. Karriere machte Zimmermann auf beiden Kontinenten in der Auto-Industrie, zurück in Deutschland dank seiner Englischkenntnisse als Verbindungsmann zwischen Opel und General Motors. Im Krieg landete Zimmermann als Inspektor des Kraftfahrzeugparks der 6. Armee in Stalingrad; ein Zufall rettete damals sein Leben: Als Spezialist gab der Ex-Stürmer zur rechten Zeit am rechten Ort (nämlich Rüsselsheim, weit weg von der Front) einen Lehrgang, und als der vorbei war, ging es schon nur noch darum, möglichst viele Soldaten irgendwie aus dem Kessel rauszuschaffen. Jahre nach dem Krieg landete Zimmermann noch einmal in den USA; dort war er zuständig für den Aufbau von VW-Werkstätten in den Südweststaaten, wo er einige ehemalige Mitspieler aus dem Teutonic SC wieder traf. Den 05ern blieb Zimmermann nach der neuerlichen Rückkehr nach Deutschland sein Leben lang als Zuschauer im Stadion verbunden; auch zu uns, der aktuellen Generation rund um den Verein hat er nun zurückgefunden als der Neueste, aber sicherlich nicht der Letzte, den wir wieder als Fußballer und als Person kennen.

Benjamin Weigelt, einer der ersten Bundesliga-Linksverteidiger der 05er, wird am Montag 35 Jahre alt.Ein in der Bundesliga letztlich gescheitertes, in der Regionalliga aber durchaus erfolgreiches Linksverteidigertalent wird am Montag 35 Jahre alt. Benjamin Weigelt übersprang 2004 eine Liga, als er vom Zweitliga-Aufsteiger Rot-Weiss Essen zu den 05ern wechselte. Im Laufe der Saison setzte er sich gegen den älteren, erfahreneren, defensiveren Marco Rose durch - und es war schön anzusehen, wie der 21-Jährige von Spiel zu Spiel mutiger, selbstsicherer wurde. Während seiner zweiten Saison ließ Weigelt aber schon wieder nach, in der dritten war er nur noch Ergänzungsspieler. Auch bei den Zweitligisten Alemannia Aachen, 1. FC Kaiserslautern und FC St. Pauli kam Weigelt nicht zurecht; beim SV Wehen fing er sich wieder, in Kassel und Oberhausen war und ist er ein Leistungsträger.

Ergebnisse am 4. September:

1927: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 5:1  
1932: FSV Mainz 05 - FVgg Kastel 06 3:2  
1955: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 3:4  
1960: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 0:0  
1966: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 3:2  
1977: FSV Mainz 05 - FC Rodalben 5:3  
1982: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:0  
1988: FSV Mainz 05 - SpVgg Bayreuth 1:0  

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