Das 05-Kalenderblatt: 12. bis 15. Oktober

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es schon wieder um einen Torwart- und einen Zweitligatrainer, um einen Abwehrchef, außerdem um einen Schreiner aus Mombach, um den feinsten Fuß des Burgenlands und um den Graf Zeppelin.

12. Oktober  

Heute vor 88 Jahren kam Walter Neumann zur Welt. Der Linksaußen kam 1950 als 20-Jähriger von Union Niederrad an den Bruchweg, setzte sich aber bei den 05ern nicht durch und spielte nur 13 Mal.

Etwas erfolgreicher war Klaus Hammans, heute vor 73 Jahren geboren wurde, ab 1963 seine ersten Testspiele für die erste 05-Mannschaft absolvierte, 1966 auch in der Liga debütierte, letztlich aber nur im Frühjahr 1969 eine Zeit lang Stammspieler auf der rechten Abwehrseite einer Übergangsmannschaft war. Bis 1970 bestritt Hammans 27 Regionalligaspiele für die 05er.

Weitere Ereignisse am 12. Oktober:

1930: SV Wiesbaden - FSV Mainz 05 2:0  
1952: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 2:1  
1958: TuRa Ludwigshafen - FSV Mainz 05 4:2  
1975: FSV Frankfurt - FSV Mainz 05 7:1  
1980: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 2:1  
1985: FSV Saarwellingen - FSV Mainz 05 1:2  
1986: FSV Mainz 05 - SV Edenkoben 2:0  
1990: MSV Duisburg - FSV Mainz 05 2:0  

13. Oktober  

Der LZ 127 "Graf Zeppelin" - hier über Berlin - soll für die Niederlage der 05er am Freitag vor 88 Jahren in Bingen verantwortlich sein. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-00960A / CC-BY-SA 3.0Am Freitag vor 88 Jahren verlor der FSV Mainz 05 1:2 bei Hassia Bingen. Und das Geschrei war riesengroß: "Der Groß hat doch beim 2:0 den Ball mit der Hand reingemacht!" Die glaubwürdigste These seinerzeit, warum der Schiedsrichter das Tor trotzdem anerkannte, hing mit dem damals modernsten Wunder der Technik zusammen: Just in jener Phase des Spiels schwebte ein riesiges Luftschiff den Rhein entlang, höchstwahrscheinlich der wenige Wochen zuvor von der Weltumrundung zurückgekehrte LZ 127 "Graf Zeppelin", und lenkte offenbar nicht nur das Publikum ab.

Sven Hoffmeister wird am Freitag 47 Jahre alt. Der gebürtige Hannoveraner hatte sich in Hessen, vor allem im Raum Kassel, schon einen Namen als guter Torwart gemacht, als ihn die 05er 2000 vom SV Wehen an den Bruchweg holten. Hoffmeister war ein ruhiger, sachlicher Typ, sehr angesehen im Zweitligakader der 05er, freilich ohne Chance gegen den Kapitän Dimo Wache. Lediglich nach dessen Roter Karte im Heimspiel gegen Hannover 96 am Martinstag 2000 spielte der Ersatztorwart viermal in der 2. Bundesliga. Von 2002 bis 2004 teilte sich Hoffmeister die Rolle als zweiter Torhüter bereits mit dem zehn Jahre jüngeren Christian Wetklo, in der Bundesliga saß er nur noch neunmal auf der Bank. Gleichzeitig löste er Wetklo nach und nach als Stammkeeper der 05-Amateure ab, für die er 17 Oberliga- und 34 seiner insgesamt 302 Regionalligaspiele absolvierte. Über die Stationen Kickers Emden, SV Sandhausen und Hessen Kassel (jeweils noch als aktiver Spieler) und eine erste Trainerarbeit beim KSV Hessen kam Hoffmeister 2014 nach Mainz zurück, wo er als Torwarttrainer des Nachwuchsleistungszentren die Keeper der U23 und der Jugendmannschaften betreut.

Drei 05-Geburtstagskinder am Freitag: Von links Sven Hoffmeister, Henning Lichte und Patrick Schorr.Außerdem haben zwei ehemalige Mainzer Nachwuchsspielern Geburtstag: Henning Lichte spielte von 2004 bis 2007 60 Mal in der Ober- und Regionalliga für die 05-Amateure - und 2010 mit dem Berliner AK im DFB-Pokal gegen die Mainzer Profis. Der Bruder des heutigen 05-Co-Trainers Jan-Moritz Lichte wird 33 Jahre alt. Patrick Schorr, der zweite Linksverteidiger der Mainzer Drittligamannschaft, der nach dem Abstieg nach Aalen wechselte, wird 23 Jahre alt.

Weitere Ergebnisse am 13. Oktober:

1957: FSV Mainz 05 - FV Speyer 1:0  
1963: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 0:3  
1974: FC Homburg/Saar - FSV Mainz 05 3:2  
1984: FC Ensdorf - FSV Mainz 05 0:0  
1991: FSV Mainz 05 - Hallescher FC 1:3
1995: FSV Mainz 05 - SpVgg Unterhaching 3:1  
1999: FSV Mainz 05 - Hamburger SV 2:0 (DFB-Pokal)
2006: FSV Mainz 05 - Alemannia Aachen 1:3  

14. Oktober  

Die Mainzer Mannschaft der Saison 1949/50. Hinter Torwart Dieter Schaak mit verschränkten Armen steht der 27-jährige Schreiner und Verteidiger "Jupp" Amadori.Am Samstag würde "Jupp" Amadori 96 Jahre alt werden. Der Schreiner aus Mombach ist allerdings bereits 2007 im Alter von 85 Jahren verstorben. Amadori, ein Nachkriegs-05er der ersten Stunde, war jahrelang eine wichtige Stütze der Mainzer Abwehr. Bis 1951 spielte Amadori an der Seite der 05-Legende Gerd Higi, nach dessen Karriereende war er selbst Abwehrchef, anfangs Rechtsverteidiger, bald Mittelläufer. Dabei war Amadori nicht nur ein knallharter Manndecker, sondern auch gefürchtet für seine Standards: Mindestens 23 seiner 35 dokumentierten Tore für die 05er waren Elfmeter, auch Freistöße verwandelte der Verteidiger gelegentlich. Im Abstiegskampf 1954/55 kündigte Amadori seinen Vertrag, um sich auf seine Schreinerei zu konzentrieren; bis dahin hatte er mindestens 215 Mal für die 05er gespielt.

 

Ergebnisse am 14. Oktober:

1934: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 4:1  
1951: FV Engers 07 - FSV Mainz 05 5:1  
1956: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 1:1  
1962: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:0  
1979: FSV Mainz 05 - Viktoria Herxheim 7:0  
1996: FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 2:2  
2000: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 1:0  
2001: FSV Mainz 05 - SSV Reutlingen 05 2:1
 

15. Oktober  

Am Sonntag vor 91 Jahren kam Erich Gehbauer zur Welt. Als Aktiver war der Rechtsaußen aus Lampertheim keine große Nummer im Fußball; bei Wormatia Worms spielte er in den frühen 1950ern gelegentlich in der ersten Mannschaft, der größte Teil seiner Karriere fand jedoch bei verschiedenen hessischen Klubs unterhalb der Oberliga statt. Einen Namen - auch bei Mainz 05 - machte sich Gehbauer als Trainer. Mit 37 Jahren übernahm er den Regionalligisten SV Weisenau, den er in seine erfolgreichste Ära führte: In den Derbies war die Elf von der Bleichstraße ein sehr ernstzunehmender Gegner für die 05er, 1967 standen die Weisenauer noch am vorletzten Spieltag nur einen Punkt hinter dem zweiten Aufstiegsrundenplatz.

Nach einer Saison bei Südwest Ludwigshafen wechselte Gehbauer 1969 zu den 05ern. Erfolg hatte er zunächst nicht; vor allem fehlte ihm nach dem Wechsel von Georg Tripp nach Frankreich ein fähiger Rechtsaußen, auch das Sturmzentrum war mit Jürgen Richter - eher ein Mittelfeldspieler - nicht ideal besetzt. Im zweiten Jahr aber stellte Gehbauer den Kern der Mainzer Erfolgsmannschaft der 1970er zusammen: Aus Weisenau kam der erfahrene Libero Walter Ziehmer, aus Gimbsheim der damalige Stürmer Herbert Scheller, der sich schnell als einer der überragenden Verteidiger der Südwestliga etablierte, aus Gau-Algesheim mit Jürgen Janz ein weiterer starker Abwehrspieler, aus Saarbrücken und Kriftel die Offensivspieler Peter Scherer und Jockel Jakobi, aus der eigenen Jugend der große Torwart Wolfgang Kneib - die Zutaten für den siebten Platz.

Die 05er hatten große Pläne mit Gehbauer, wollten mit ihm den Bundesliga-Aufstieg angehen. Tatsächlich wurden sie 1973 Südwestmeister, allerdings ohne Gehbauer, der den Verein schon 1971 verlassen hatte. Als Beamter der Bundesbahndirektion in Frankfurt konnte er die Mannschaft nicht hauptamtlich betreuen. Gehbauer wechselte zum FSV Frankfurt, wurde mit den Bornheimern schon 1972 Deutscher Amateurmeister und führte sie 1973 in die Regionalliga. Später trainierte Gehbauer noch den VfR Groß-Gerau, den SV Wiesbaden und Viktoria Aschaffenburg.

Der ehemalige 05-Abwehrchef Heinz Kirchner kam am Sonntag vor 88 Jahren zur Welt.Vor 88 Jahren wurde Heinz Kirchner geboren. Kirchner kam 1955 aus Groß-Gerau zu den 05ern. Eigentlich sollte der Verteidiger nur eine Alternative für die eingespielte Abwehr Hans Nebelung/Franz Mattes/Alfred Höfer sein. Da sich aber Nebelung schon am dritten Spieltag bei einer Karambolage mit dem eigenen Torwart Otto Schedler schwer verletzte, spielte sich Kirchner schnell als Mittelläufer fest. Mit 27 Einsätzen spielte der Abwehrchef eine gute Saison; im zweiten Jahr aber war er selbst immer wieder verletzt und wurde vom Mittelfeldspieler Walter Sonnenberger verdrängt. 1957 verließ Kirchner die 05er nach elf weiteren Einsätzen. 1957/58 spielte er für Wormatia Worms in der Oberliga - einmal gegen die 05er. Bei jenem 5:2 der Wormatia verursachte der Ex-Mainzer einen Handelfmeter, den Fritz Kleemann vergab, und schoss in der 88. Minute das Eigentor zum Endstand.

Andreas Ivanschitz wird 34 Jahre alt. Der Spielmacher aus dem Burgenland galt zeit seines Fußballerlebens als größtes österreichisches Talent seiner Generation, die Fortsetzung der Dynastie großer Spielmacher von Mathias Sindelar über Schneckerl Prohaska bis Andreas Herzog, vielleicht das Bindeglied zwischen jenem und David Alaba. "Andy" Ivanschitz spielte schon 16 Jahren in der österreichischen Bundesliga, war mit 17 Stammspieler, mit 19 Kapitän der Nationalmannschaft, mit 20 Österreichs Fußballer des Jahres. Und wechselte 2009 mit 25 von Panathinaikos Athen zu Mainz 05.

Sein Einstand in Mainz war großartig: Im ersten und zweiten Spiel jeweils eine Torvorlage für den Aufsteiger, im dritten und im achten ein Tor, im fünften, sechsten, zehnten, elften je ein Tor und eine Vorlage. Nach einem Drittel der Saison war Ivanschitz mit je sechs Toren und Vorlagen Erster der Scorerliste der Bundesliga. 

Andreas Ivanschitz auf seinem Zenit: In seinen ersten elf Spielen für die 05er war der Österreicher an zwölf Toren beteiligt, unter anderem beim 2:1 gegen Bayern München. Foto: imagoNatürlich hat es Gründe, wenn so ein guter Spieler nicht im gehobenen Weltfußball spielt, sondern nur beim kleinen FSV Mainz 05. Bei Ivanschitz lag das an dessen fataler Genügsamkeit. Der Österreicher kam nie aus sich heraus, reizte nie sein Limit aus. Seine Trainer, sei es im Verein, sei es in der Nationalmannschaft, reizten ihn, ärgerten ihn, provozierten ihn, quälten ihn, waren gemein zu ihm, immer in der vergeblichen Hoffnung, den Zugang zu ihm zu finden, auf dass er der überragende Spieler werde, der er hätte sein können. Bereits in seiner ersten Saison folgte dem wunderbaren ersten Drittel in den 16 weiteren Einsätzen: Eine Vorlage. Die 05er gaben schließlich auf und verlängerten den 2013 auslaufenden Vertrag des ungeheuer populären Ivanschitz einfach nicht. 

In 104 Bundesligaspielen hatte der bis dahin 19 Tore vorbereitet und 22 Tore geschossen - fast immer das erste der 05er im jeweiligen Spiel; fast immer der Grundstein zu einem Punktgewinn. Das unwichtige Ivanschitz-Tor gab es nicht, bis er in seinem letzten Heimspiel für die 05er in der Nachspielzeit mit einem Elfmeter zum 2:4 die Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach unwesentlich erträglicher machte, es hätte das Doppelte sein können. Ivanschitz verbrachte die folgenden beiden Jahre mit überschaubarem Erfolg beim valencianischen Zweitklub Levante UD in der Primera División, gewann 2016 mit den Seattle Sounders die Major League Soccer und gehört nun Viktoria Pilsen an.

Ergebnisse am 15. Oktober:

1933: FSV Frankfurt - FSV Mainz 05 4:1  
1950: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 3:0  
1960: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 2:0  
1961: FSV Mainz 05 - TuRa Ludwigshafen 0:0  
1972: FSV Mainz 05 - Phönix Bellheim 8:1  
1978: FSV Mainz 05 - Eisbachtaler Sportfreunde 6:2  
1988: FC 08 Homburg/Saar - FSV Mainz 05 2:0  
1989: FSV Saarwellingen - FSV Mainz 05 1:2  
1994: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 1:1  
2005: FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 3:1  
2011: FSV Mainz 05 - FC Augsburg 0:1  

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